janßen bär partner

Familien-Thalassobad Norderney

Daten zum Projekt

Bauherr

Staatsbad Norderney GmbH
Am Kurplatz 3
26548 Norderney

Leistung

Planungsgemeinschaft

Planung:

AIP-Ralf Krause
Willy-Brandt-Allee 31c
23554 Lübeck

Architektur:

Architekturbüro Brune
Schwachhauser Heerstraße 88
28209 Bremen

Bauleitung:

janßen bär partnerschaft mbB
(vormals: de witt janßen partner)
Architekten und Ingenieure

Baukosten

KG 200 - 700, netto 2,9 Mio. EUR

Bauzeit / Fertigstellung

7 Monate / 2012

Bebaute Fläche / Bruttorauminhalt

2.100 m² / 25.000 m³

Wasserflächen

gesamt: 755m²


» www.norderney.de

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Beschreibung des Projekts

Familien-Thalassobad Norderney

Ausgangssituation

Das bade:haus Norderney ist Deutschlands ältestes Meerwasserhallenbad und zugleich größtes Thalassozentrum. In seiner ersten Form 1800 erbaut, wurde das bade:haus 1989 durch ein Kinder- und Familienbad erweitert. Der Schwimmhallenanbau umfasste seinerzeit ein Wellenbecken, eine Rutsche, ein Sprudelbecken und eine Badegrotte. Nach gut 22 jähriger Betriebszeit war das Kinder- und Familienbad baulich in die Jahre gekommen und repräsentierte den Bedarf seiner Badegäste nicht mehr. Dies zeigte sich umso deutlicher, nachdem 2005 das bade:haus von Grund auf renoviert wurde und seither mit einem neuen Konzept betrieben wird.

Aufgabenstellung

Der Ansatz zur Sanierung des Kinder- und Familienbades verfolgte die Attraktivierung und die Angleichung des Bereiches an den modernen, hochwertigen Standard des bade:hauses. Vorhandene monofunktional ausgerichtete Bereiche, wie z.B. das Wellenbad, sollten durch attraktive Nebenangebote erweitert und unter dem Dach eines schlüssigen Gesamtkonzeptes klar erkennbar zusammengeführt werden. Es war angedacht das 1989 etablierte Thalassobad auszubauen und darüber hinaus, erstmalig in Deutschland, ein Thalassobad für Kinder zu errichten. Das Thalassobad sollte kindergerecht sein und basierend auf der Erlebniswelt von Kindern die "Gesundheit aus dem Meer" in Form von Meerwasser, Sonne, Luft, Algen, Schlick und Sand nahe bringen.

Lage und Erschließung

Das bade:haus rundet als städtebaulicher Eckbaustein den zentral gelegenen, touristisch stark frequentierten Kurplatz der Insel ab. Es liegt in direkter Nachbarschaft zum Conversationshaus und Rathaus und fügt sich damit in eine Reihe historischer Gebäude ein. Über ein großzügiges, dem Kurplatz zugewandtes Foyer gelangt der Badegast in die jeweiligen Tarifzonen: Kinder- und Familienbad bzw. Thalassozentrum oder Wellnessbereich.

Konzept

Für das Kinderthalassobad wurde die Idee verteilter "Inseln mit attraktiven Aufenthaltszonen" als übergeordnetes Konzeptthema gewählt. Konzeptbausteine im Außenbereich sind: "Insel Kunterbunt", "Erdsauna" und "Sandbank". Im Innenbereich sind es folgende Bereiche: "Große Düne", "Tiefsee-Rutsche", "Waschstraße", "Strandhäuser" und "Hohe Plate".

Die Planungen behandelten in gleichem Maße den Innen- sowie den Außenbereich. Ziel war es, den Außenbereich als Erweiterungsfläche stärker in die Nutzung des Bades mit einzubeziehen und an Schönwettertagen bzw. bei wechselhaftem Wetter einen Anreiz zum Besuch des Bades zu bieten. Die Bereiche wurden gestalterisch als zusammenhängende Einheit aufgefasst, wobei der Innenbereich die wasserbezogenen Attraktionen zum Baden und Schwimmen beinhaltet, der Außenbereich hingegen große Sandflächen zum Spielen vorhält.

Der Einsatz von Lichteffekten und multimedialer Installationen sollten das Konzept inhaltlich und atmosphärisch in passender Weise unterstützen. Das Kinder- und Familienbad sollte als eigenständiger Baustein losgelöst vom Erwachsenenbad betrieben werden können.

Architektur und Gestaltung

Das Thema der verteilten "Inseln mit attraktiven Aufenthaltszonen" äußert sich innerhalb und außerhalb der bestehenden Schwimmhalle durch die eine Vielzahl punktueller, baulicher Interventionen, die einen eigenständigen Charakter aufweisen, sich aber dennoch nahtlos in das Gesamtkonzept einfügen. Im Gebäudequerschnitt lassen sich thematische Schichtungen von Strandhäusern, Wasser bis hin zum Inselthema mit Piratenschiff ablesen.

Angebot

Im Inneren des Bades ist eine große, raumhohe Kulisse augenfällig, die vor das bestehende bade:haus gestellt wurde und damit den Übergang zwischen Erwachsenenbad und Kinder- und Familienbad markiert. Diese Einbauten vermitteln den Charakter von "Strandhäusern am Meer" und gliedern in abwechslungsreicher Weise die hohe Zwischenwand des bade:haus. Die "Strandhäuser" beinhalten einen Lern- und Spielbereich für Kinder.

Ganz anders präsentiert sich der Whirlpool-Bereich "Hohe Plate", der in der Ecke der Schwimmhalle liegend einen eigenen Raum einnimmt. Durch das dunkle Anthrazit der Natursteinplatten und die niedrige Deckenhöhe schafft dieser Raum eine ruhige Atmosphäre. Zentrales Element der Schwimmhalle ist das organisch geformte, ursprüngliche Wellenbecken. Es ist mit wasserversprühenden Speiern ausgestattet.

Auf dem Beckenrand steht ein Turm mit innenliegender Grotte, der ein gestrandetes Piratenschiff zitiert. Als eigenständiges Element ist eine 57m lange "Tiefsee-Rutsche" mit Rutschenbecken neben dem Schwimmbecken positioniert.

Eine besondere Attraktion stellt die sogenannte "Waschstraße" dar, die als langgestreckter offener Raum unterschiedliche Duschen und wasserverspritzende Anlagen aufnimmt. Strandkörbe und Sitznischen säumen den Beckenumgang. Innen wie außen fungieren langgestreckte Holz-Sitzpodeste als gestaltungsübergreifende Elemente, die klammerartig das Becken bzw. den Sandspielbereich einfassen. Der Außenbereich erhält seine räumliche Prägung durch eingestellte "Inseln", wie Piratenschiff mit Schatzkisten, "Insel-Kunterbunt" und "Erdsauna".

Konstruktion

Bei der Planung und Umsetzung wurde darauf geachtet, dass die raumprägenden Tragstrukturen und die wesentlichen Konstruktionen nach Möglichkeit unberüht blieben. Die kulissenartigen Wandverkleidungen im Übergang zum bade:haus in der Schwimmhalle wurden in Metallständerbauweise mit Lärchenholzbeplankung ausgeführt. Für die Verfliesung des Wellenbeckens und des Beckenumgangs kamen Natursteine zum Einsatz.

Die in unterschiedlichen Brauntönen verwendeten Quarzit Pirana Platten des Beckens und des Beckenrandes ergänzen sich mit den anthrazitfarbenen Alta Quarzit des Beckenumgangs zu einem farblich stimmigen Gesamtkonzept. Die Beckenköpfe wurden erneuert und mit einer Wiesbadener bzw. Finnischen Rinne versehen. Für die Podeste kamen Robinie Hobelprofile zum Einsatz.

Schlussbetrachtung

Mit der Attraktivierung und Erweiterung des Kinder- und Familienbades "Kinderthalasso" ist ein Konzept realisiert worden, dass das bade:haus Norderney als durchgänges, vielgestaltiges Bad in Erscheinung treten lässt. Durch den Einsatz multimedialer Techniken wurde die uralte Thalassoerfahrung in zeitgemäßer Weise erweitert und neu interpretiert und dadurch der Erwartungshaltung der jungen Zielgruppe entsprochen. Möglichkeiten der Erfahrung von "Gesundheit durch Wasser" sind hier für sämtliche Altersschichten geschaffen worden, so dass zu Recht von einem Bad für die ganze Familie gesprochen werden kann.

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